WIR TRAUERN UM RALF HUWENDIEK

1948 - 2004

Unterhaltung mit Haltung

Auf den lauten Wahnwitz der Welt reagierte Ralf Huwendiek mit leisem Spott. Die menschliche Komödie war sein Thema: Seltsame Vögel und komische Heilige hatten es ihm angetan. Surreale Situationen und groteske Begebenheiten beschrieb er in humorvollen Miniaturen. Seine „Abenteuer des Alltags“, die er seit über zehn Jahren für den Bayerischen Rundfunk produzierte, haben für viele Radiohörer Kultstatus. Jetzt ist der sanfte Satiriker und feinsinnige Feuilletonist völlig überraschend gestorben.

Ralf Huwendiek, 1948 in Bielefeld geboren, studierte in Erlangen Philosophie und Germanistik. Schon in den siebziger Jahren entdeckte er durch die legendäre Jugendsendung „Pop Sunday“ die Möglichkeiten des Rundfunks. Das gesprochene Wort, die mündliche Überlieferung blieb denn auch sein eigentliches Metier. Er versuchte sich zeitweise auch als Liedermacher, hielt sich aber im aufgeregten Kulturbetrieb bewusst zurück.

Öffentliche Anerkennung hat Huwendiek erst in den letzten Jahren gefunden und er hat sich sehr darüber gefreut. Amüsiert nahm der Nürnberger Kulturförderpreisträger drei Literaturpreise entgegen, bevor er ein einziges Buch veröffentlicht hatte. Irgendwie passte das zu dem zurückhaltenden, sympathischen Querdenker, der sich nie vereinnahmen ließ und seinen eigenen Weg ging.

In letzter Zeit war er wieder verstärkt auf den Kleinkunstbühnen der Region aktiv, solo, aber auch mit den Gruppen „Feinton“ und „Städtischer Rat & Ton“. Immer verband er Unterhaltung mit (philosophischer) Haltung. Seine verblüffend einfache Erkenntnis lautete: Der Alltag ist ein Abenteuer, Franken ist überall, und die Exoten sind wir.

Der jugendlich wirkende Mann mit dem blonden Pferdeschwanz plädierte gerne für Perspektivwechsel und Denkpausen. Intellektuelle mit Sinn für Humor sind selten. Ralf Huwendieks leise, aber deutliche Stimme wird der fränkischen Szene fehlen.

STEFFEN RADLMAIER

Nürnberger Nachrichten, 13. Februar 2004

Zur Erinnerung
an Ralf finden sich bei den downloads drei Stücke aus dem Probenraum:

"Sack", "Mars" und "Hektiker"

Sie wurden 1997 im Duo vor ein paar Konzerten aufgenommen. Ralf singt und spielt Gitarre wie in seinen alten Liedermacher-Zeiten und Achim Goettert begleitet ihn mit Gitarre oder Saxophon.

Latin Jazz Chansons Stories
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Ein sinnliches Kunststück für Leute mit Witz. 

 

Städtischer Text + Tonrat

Petra Nacke - Gesang
Ralf Huwendiek - Text
Andreas Blüml - Gitarre
Norbert Gabla - Bandoneon
Mandi Riedelbauch - Fagott, Saxophon
Achim Goettert - Saxophon, Bassklarinette, Perkussion

Infos über Ralf Huwendiek
und seine CD und Buchveröffentlichungen:
www.eins-a-medien.de

 

Der "Städtische Text & Ton Rat" ist kein neues kommunales Gremium. Der Name entspringt einer spöttischen Anwandlung. Denn dieser Rat debattiert und berät keine kulturellen Sparmaßnahmen. Im Gegenteil fangen die Beteiligten etwas Neues an.

Alle sind durch unterschiedlichste Projekte bekannt in der Region: Andreas Blüml und Norbert Gabla für Tango, Achim Goettert und Mandi Riedelbauch für Jazz und musikalische Experimente, Petra Nacke als Sängerin der gerade mit dem Nürnberger Förderpreis ausgezeichneten Gruppe "Feinton" mit ihren kammermusikalischen Popadaptionen, Ralf Huwendiek als Satiriker.

Was herauskommt klingt dennoch neu und schön. Es ist "städtisch" im Sinne von Großstadtnächten. Und es hat eine feine und spürbare Erotik.

Ein sinnliches Kunststück für Leute mit Witz.